Die Halbinsel Fischland Darß – Zingst

Kunst, Radfahren und die Kraniche auf der Halbinsel zwischen Bodden und Meer

Am deutschen Ostseestrand, östlich von Rostock, liegt der Nationalpark „Vorpommersche Boddenlandschaft“, ein wildes und noch unberührtes Natur-schutzgebiet, das in unserem Land nur noch selten zu finden ist.

Die Halbinsel „Fischland – Darß – Zingst“ grenzt im Norden an die Ostsee und im Süden an die Bodden, deren Ufer teilweise mit Schilfgürteln gesäumt sind. Die Bodden sind flache Küstengewässer, die in der Eiszeit entstanden sind. Entlang dem feinen Sandstrand der Ostsee sind die Orte Dierhagen, Wustrow, Ahrenshoop, Prerow und Zingst wie Bernsteinkugeln auf einer Kette aufgefädelt. In Prerow, Wustrow und Zingst gibt es Seebrücken, die aufs offene Meer hinausführen und zum Flanieren einladen. Auf der Boddenseite sind Born am Darß und Wieck auf dem Darß erwähnenswert.

Künstler entdecken das Licht

Der Künstlerort Ahrenshoop lebte bis ins späte 19. Jahrhundert vom Fischfang, doch mit dem Niedergang der Segelschifffahrt wurde der Tourismus als neuer Wirtschaftszweig entdeckt.

Mit den Sommergästen kamen die ersten Künstler in den Ort und impressionistische Landschaftsmaler arbeiteten unter freiem Himmel, inspiriert vom hellen Licht der Ostsee und der einmalig schönen Landschaft. Kiefern und Birken bilden kleine und größere Wälder und der Bodden liefert das Schilf für die reetgedeckten Katen. Der Künstler Paul Müller-Kaempff war 1892 Mitbegründer der Malerkolonie in Ahrenshoop. 1894 erbaute er die erste Malschule, darin ist heute das Künstlerhaus Lukas beheimatet, ein Ort für künstlerisches Arbeiten und internationale Begegnungen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden viele Kunstkaten in traditionellem Baustil mit Reetdach gebaut, die noch heute als Künstlerateliers genutzt werden. Bedeutende Künstler des frühen 20. Jahrhunderts zog es nach Ahrenshoop, so auch Erich Heckel und Alexej von Jawlensky.

Das romantische Hotel Namenlos & Fischerwiege befindet sich gegenüber der Dünen, die das Land vor dem Meer schützen. Besonders im Herbst und Winter empfiehlt sich dieses atmosphärische Hotel mit Restaurant, das auf mehrere Räume aufgeteilt ist, inklusive Kaminzimmer   und Wintergärten. Im Wellness­bereich befindet sich ein Schwimmbad mit Sauna. Ahrenshoop hat einen kleinen Hafen am Bodden. Da finden Sie das Meeresfrüchte-Restaurant „Räucherhaus“, wo Ihnen in rustikalen Räumen gute Fisch- und Fleischgerichte mit hausgebrauten hellen und dunklen Bieren serviert werden.

Radeln auf der Halbinsel und um die Bodden


Auf asphaltierten Deichwegen oder über Sandwege des Nationalparks führen gut ausgeschilderte Radwege über die Halbinsel Vorpommerns und um die Boddenlandschaft herum. An jedem Abzweig finden die Radler weiß-grüne Wegweiser, die genau Orte und Entfernung angeben. Auch große Regionalkarten sind an touristischen Brennpunkten aufgestellt. Eine große Radwanderung über Stralsund und die Bodden ist 200 Kilometer lang und in vier Tagesetappen fahrbar. Auf der Strecke gibt es ein gut ausgebautes Übernachtungsnetz, Restaurants und Imbiss-Stationen sorgen für eine ausreichende Verpflegung. Sie werden staunen, wie abwechslungsreich die Landschaft ist. Die Strecke über Fischland und Zingst führt entlang der Schutzdünen vor dem Ostseestrand. In regelmäßigen Abständen gelangen Sie über extra angelegte, nummerierte Strandübergänge direkt an die Ostsee und können dort in den Sommermonaten wunderbar schwimmen. Auf dem Darß führt der Radweg durch den Darßwald entlang des Weststrandes, von wo Sie spektakuläre Sonnenuntergänge beobachten können, zum Leuchtturm. Der Ort Zingst hat einen Hafen, von dem Sie Ausflugsfahrten mit dem Schiff unternehmen können.

Wasser, Wald und Wiesen: Ein ideles Terrain für Kraniche

Auf dem Zingst sind ab September Tausende Kraniche zu beobachten, die auf ihrem Flug in gemäßigtere Zonen hier eine Rast einlegen. Besonders morgens und abends ist es interessant zuzuschauen, wenn die Tiere von ihren Schlafplätzen aufbrechen oder zu ihnen zurückkehren. Auf der Halbinsel landen über 100 weitere Vogelarten. Ich treffe mich mit dem Nationalpark-Ranger Jens Bassek, der seit 1996 als Ranger für die Sundische Wiese in Zingst zuständig ist.

Er berichtet: „Der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft existiert seit 1990 und ist 786 Quadratkilometer groß zusammen mit der Ostsee bis zu einer Wassertiefe von zehn Metern. Er ist vor allem den Professoren Michael Succow und Hannes Knapp zu verdanken, die sich schon vor der Wende für eine naturgerechte Umwelt stark machten und danach am sogenannten ‘Runden Tisch‘ dafür sorgten, dass die Nationalparks auf dem Gebiet der ehemaligen DDR im Einigungsvertrag aufgenommen wurden. Mein Zuständigkeitsbereich ist der östliche Teil der Halbinsel am Schlösschen bei Pramort. Jährlich in den Herbstmonaten September, Oktober und November fliegen hier zwischen 50000 und 60000 Kraniche ein, wobei der Haupt­einflug im Oktober stattfindet. In der Abenddämmerung sind hier die meisten Vögel zu beobachten, doch die Uhrzeit ist schwer festzulegen, da die Tiere bei schönem Wetter länger draußen auf den Feldern auf dem Festland verweilen.“ Ein Lächeln liegt auf dem Gesicht des Rangers, das seine Freude an den Kranichen nicht verbirgt. „Auf den Feldern ernähren sich die Tiere von am Boden zurückgelassenen Maiskolben und Kartoffeln. Sie ernten keinen Mais vom Stamm oder Getreide vom Halm. Wenn die Früchte nicht ausreichen, weil der Nachwuchs aufgezogen werden muss, gehen sie auch auf Jagd nach Insekten, Larven und Käfern.“

Nun erwähnt Bassek allerdings noch, dass die Vögel schon mal die Wintersaat mit Korn aus dem Boden zupfen. Der Ranger: „Da kommt das Kranorama, das Kranchich-Informationszentrum in Groß Mohrdorf auf dem Festland ins Spiel. Die machen eine ‘Ablenkfütterung‘, um sie von der Wintersaat wegzulocken. Das ist ein Riesenspektakel für den Tourismus. Die Wasservögel sind sehr scheu und wenn einzelne Leute ans Wasser vorpreschen, während die Kraniche im Anflug sind, stößt das Leittier ein tiefes Gurren aus und alle Vögel steigen hoch und umfliegen das flache Wasser in weitem Bogen zum Ärger der Fotografen. Abends versammeln sich die Kraniche im seichten Wasser zum Übernachten.

Mit dem Sonnenaufgang fliegen sie wieder zurück zum Festland in Richtung Rügen. Übrigens gehört die Insel Hiddensee auch zu unserem Nationalpark und im September und Oktober sprechen hier alle Leute nur über die Kraniche. Spätestens im November ziehen die meisten Tiere weiter in den Süden Europas nach Südfrankreich, Spanien und Portugal, einige weiter nach Marokko und Tunesien. Die Kraniche sind, wie die Gänse, erst Zugvögel seit hier im Norden Europas das Land im Winter mit Schnee und die Gewässer mit Eis bedeckt sind. Ihr Gefieder kann den Minustemperaturen problemlos widerstehen.“

Weiter berichtet Ranger Bassek: „Auf dem Darß findet im September die Hirschbrunft statt. Die Kollegen in Prerow machen dann gezielte Führungen zur Buchhorster Maase, wo 30 Personen auf einer Aussichtskanzel Platz finden. Die Teilnehmerkarten werden in der Arche in Wieck a. Darß verkauft und ein Ranger führt die Gruppe zur Kanzel und achtet darauf, dass die Tiere nicht gestört werden.“

Auf der Halbinsel sind viele sportliche Aktivitäten möglich: Wandern und Walken, Reiten, Schwimmen, Segeln, Surfen, Kiten oder Paddeln, um nur einige zu nennen. Einige Hotels haben auch ein Wellnessangebot im Programm und in See- und Heilbädern können Sie kuren. Auf dem Festland im Recknitztal finden Sie Schlösser und Gutshäuser wo Sie in Hotelzimmern übernachten oder ganze Ferienwohnungen mieten können.

Anreise:

Sie erreichen den Nationalpark “Vorpommersche Boddenlandschaft“ mit dem Auto über Rostock oder Stralsund, oder mit der Bahn Ribnitz-Damgarten, Barth oder Stralsund.

Informationen:

Wohnen in Prerow auf dem Darß

Wohnanlage Kormoran mit teils reetgedeckten Häusern, www.kormoran-prerow.de

Haus Capitän Christoph, www.ccprerow.com

Wohnen in Ahrenshoop auf Fischland

Romantik Hotel Namenlos & Fischerwiege, www.hotel-namenlos.de

Meeresfrüchte-Restaurant Räucherhaus in Ahrenshoop, www.raeucherhaus.com

Bericht: Ludwig Heim