Benedikt Huber

Einer der schnellsten 800-Meter-Läufer Deutschlands

Benedikt Huber aus Palling ist ein Spätberufener, zumindest in seiner Sportart. Ausprobiert hat er Einiges: Fußball, Tennis, Schwimmen, Radfahren, Klettern und Leichtathletik.

„Am Ende blieben Fußball und Leichtathletik“, sagt der 27-Jährige. Weil er ziemlich schnell laufen kann, hat er sich im Alter von 19 Jahren für den Sport auf der Tartanbahn entschieden – für die ganz große Karriere eigentlich  schon zu spät. Mittlerweile gehört er aber zur Crème de la Crème der 800-Meter-Läufer in Deutschland.

Der Weg dorthin war allerdings kein leichter.  Zunächst hat sich Benedikt Huber auf den langen Strecken versucht und ist bei Straßen- und Cross-Läufen gestartet. Irgendwann schlug ihm  sein Trainer vor, es doch mal mit der „Stadion-Leichtathletik“ zu versuchen. „Das hat mir gleich richtig Spaß gemacht. Das ist doch was anderes, auf einer Tartanbahn zu laufen. Trotzdem hat beides seine Reize“, sagt er.

Von der deutschen Spitze in der Leichtathletik war er zu dem Zeitpunkt noch weit entfernt. Erst über die bayrischen Meisterschaften hat er sich langsam hochgearbeitet. „Die Schnelligkeit habe ich vom Fußball mitgebracht und den Rest durch ein vielseitiges Training erarbeitet“, so Huber. Sprint- und Krafttraining und Koordination in der Halle, auf der Mittelstrecke über 800 Meter ist das ganze Programm gefragt.

„Wichtig sind die Grundlagen, um die harten Trainingseinheiten zu überstehen. Du brauchst Schnelligkeit und Gleichgewicht, damit du dich im Sommer richtig plagen und immer an die Grenzen gehen kannst.“ Bei 1:46,57 Minuten steht seine persönliche Bestzeit über 800 Meter. Über diese Distanz muss man taktieren, einfach drauflos laufen geht nicht. „Nach 200 Menter hast du keine eigene Bahn mehr, alle sind auf einen Haufen zusammen. Der Führende gibt für die anderen einen guten Windschatten. Der beste Platz ist unmittelbar dahinter, und den will natürlich jeder haben.“

Im Feld tummeln sich meistens gute Sprinter, aber auch jene, die eine gute Ausdauer haben. „Du musst ständig deine Konkurrenten im Auge haben und dir eine Taktik zurechtlegen.“ Benedikt Huber läuft gerne vorneweg: Bei seinem deutschen Meistertitel im vergangenen Jahr sei ihm klar gewesen, dass er schnelle Runden braucht, um nicht überspurtet zu werden. „Das ist der größte Lauf meiner Karriere gewesen“, freut er sich.

„Die Entscheidung fällt meistens zwischen 400 und 600 Meter, da schwächelt jeder gerne. Die letzten 200 Meter gehen immer und die ersten 400 meistens auch. Du musst nur zum richtigen Zeitpunkt anziehen, dann kannst du jedem Gegner den Zahn ziehen.“

Was sich hier so leicht beschreiben lässt, ist knallharte Arbeit. Da gehört das Ausfahren des Ellenbogens ebenso dazu, wie die Bekanntschaft mit den Spikes des Gegners in den Waden. Vor allem als junger Läufer hat er einiges einstecken müssen. Mittlerweile hat er sich Respekt erarbeitet und einen Namen in der Szene.

Vom Sport alleine kann der Pallinger allerdings nicht leben. Seit Abschluss eines Studiums arbeitet er als Entwicklungsingenieur bei der Firma  BSH Traunreut.  Seit zwei Jahren arbeitet er dort nur noch 26 Stunden in der Woche. „Das ist alles zu viel geworden. Mein Leben hat nur noch aus Arbeiten, Trainieren, Essen und Schlafen bestanden.“ Über die Unterstützung seines Arbeitgebers ist er sehr dankbar. Schließlich will er noch Einiges in seinem Sport erreichen. Hauptziel ist in diesem Jahr die Weltmeisterschaft in London.

Olympia 2016 in Rio hat er nur knapp verpasst. Eine halbe Sekunde hat ihm zur Norm gefehlt. „Ich bin öfters nah dran gewesen“, meint er. Die nächsten Olympischen Spiele sind 2020. Da wäre er noch in einem guten Alter. Um das zu erreichen, richtet er sich nach den Trainingsplänen von Kurt Ring und hat sich vor einigen Jahren der LG Telis Finanz Regensburg angeschlossen. Trotzdem ist er überwiegend dem Chiemgau und seiner Heimat Palling treu geblieben.

Bei kaltem und schlechten Wetter kann er in der Inzeller Max Aicher Arena trainieren. Dort gibt es eine Tartanbahn. Ansonsten locken Schwimmen, Radfahren und Klettern den „Spätberufenen“ der sich anschickt, noch einige Erfolge zu feiern über seine 800 Meter.

Text: Siegi Huber
Bild: Ernst Wukits