„Siegermomente können süchtig machen“

Skispringer Andreas Wellinger: „Bodenständig und ehrgeizig“

Sein bisher größter Erfolg  war der Gewinn der Goldmedaille auf der Normalschanze bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Südkorea. Hochmotiviert bereitet sich der 23-Jährige, der  für den SC Ruhpolding startet, derzeit auf die neue Saison vor.

Nach dem Gewinn der Goldmedaille in Pyeongchang sicherte sich Andreas Wellinger im Februar  zudem die Silbermedaille auf der Großschanze und belegte auch im Mannschaftswettbewerb mit seinem Team den zweiten Platz.

Damit zählt er zu den erfolgreichsten Sportlern der vergangenen Winterspiele. Allerdings steckt hinter seinem Erfolg neben Talent harte Arbeit und diese hat sich für ihn bereits bei Olympia 2014 in Sotchi ausgezahlt. Damals kam er mit Gold im Mannschaftsspringen heim.

Die Spiele in Südkorea haben das aber alles getoppt. Dazu kam auch noch der zweite Platz bei der prestigeträchtigen Vier-Schanzen-Tournee. „Ich habe alles gut verarbeitet, aber es hat schon ein Stück gedauert, bis ich realisiert hatte, was da so passiert ist“, sagt er Monate nach seinem Triumpf.   „Solche Siegermomente können süchtig machen.“

In die neue Saison geht er dementsprechend hoch motiviert, denn „wer rastet der rostet“, das gilt auch im Spitzensport. Neben der Vier-Schanzen-Tournee steht heuer auch die Nordische Weltmeisterschaft in Seefeld/Tirol an. Deswegen hat er sich im Sommer gut vorbereitet.  Skispringen auf seinem Niveau bedingt ein „Gesamtpaket“ mit körperlicher Fitness, Sprungtechnik und -stil, bestes Material und mentales Training. „Das ist von Athlet zu Athlet unterschiedlich“, sagt er. „Einige brauchen dabei Unterstützung, andere haben sich ein entsprechendes Umfeld dafür geschaffen.“

Ernst wird Wellinger, wenn es um die Problematik der großen Schanzen in Ruhpolding geht. Aus mehrerlei Gründen sei auf diesen kein Sprungbetrieb möglich, so dass er viele Kilometer zurücklegen müsse, um trainieren zu können. „Wir Springer würden uns freuen, wenn wir in Ruhpolding nicht nur in den Kraftraum gehen könnten. Wir haben die Anlage vor der Haustüre und würden sie gerne nutzen. Ich habe große Hoffnung, dass sich was tun wird. Die kurzen Wege würden uns noch ein wenig besser machen“, ist er sich sicher.

Zur Erholung ging der gebürtige Traunsteiner heuer im Mexiko-Urlaub seiner privaten Leidenschaft nach, dem Windsurfen. Bei dieser Sportart kommt ihm sein gutes Körpergefühl vom Skispringen sehr gelegen.

Ein weiterer Höhepunkt war für  Wellinger die Einladung seines Lieblingsfußballvereins FC Bayern München zur Sommertour durch Amerika. „Da gab es viele spannende Momente und ich konnte das sportliche und mediale Knowhow des FC Bayern kennenlernen. Ich habe einige Trainingseinheiten gemeinsam mit den Spielern erlebt und einen tieferen Einblick in ihr Sportlerleben erhalten“, schwärmt er von der Begegnung.

Vor vier Jahren musste er als ganz junger Sportler einen schweren Sturz bei einem Springen in Finnland verarbeiten. Mittlerweile sei dies alles erledigt und Vergangenheit, sagt er.

Auf die Frage, wie er sich als Typ bezeichnet, sagt er: „Bodenständig, humorvoll und ehrgeizig.“ Diplomatisch geht er vor, wenn es um seinen Heimatort Schneizlreuth, seinen aktuellen Wohnort München und seinen Verein SC Ruhpolding geht. „Mein Herz schlägt für jeden Ort, ich bin halt ein Oberbayer.“

Zu seiner Karriere als Skispringer ist Andreas Wellinger über den Umweg als Nordischer Kombinierer gekommen. „Er ist eines Tages heimgekommen und hat gesagt, er wird jetzt als Spezialspringer von den großen Schanzen springen,  er habe es auch schon versucht“, erinnert sich seine Mutter Claudia, die als Angestellte der Ruhpoldinger Chiemgau Arena überwiegend mit Biathleten zu tun hat. In diese Richtung hat Andreas Wellinger jedoch nie geschielt: „Da waren wohl die Schnee- und Sprunghügel in Weißbach für verantwortlich“, meint er schmunzelnd.

Pläne für ein Leben nach seiner sportlichen Karriere hat der Wahlmünchner noch nicht. „Das ist noch etwas weit weg. Neben dem Sport studiere ich aber Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Erding.“

Sein Lebensmotto leitet Andreas Wellinger von einem Budda-Zitat ab: „Es gibt keinen Weg zum Glück,  glücklich sein ist der Weg.“

Text: Siegi Huber

Foto: Thomas Hasslberger