Steffi Schwarz

Windsurfen ist Schach auf dem Wasser

Über das Windsurfen sind hunderte Filme gedreht und wahrscheinlich um die tausend Songs geschrieben worden. Gefilmt hat man sie zu Trainingszwecken schon öfters, ein Song ist über sie allerdings noch nicht geschrieben worden. Die Rede ist von Stefanie Schwarz vom Regatta Surfclub Chiemsee.

Die 18jährige gilt als eines der größten Talente der Szene

Die Faszination Windsurfen ist für Steffi Schwarz das Gesamtpaket. „Es ist technisch sehr anspruchsvoll und macht trotzdem viel Spaß. Du bist draußen und spürst den Wind auf dem Backen und hörst das Wasser um die Füße plätschern. Es wird auch nie langweilig, da die Wind- und Wetterbedingungen immer wechseln“, beschreibt die am Ammersee lebende Sportlerin ihren Sport. Im Alter von acht Jahren begann sie mit dem Segeln in einem sogenannten Optimist, einem Kindersegelboot. Irgendwann stieß sie auf eine Anzeige, in der die BIC Techno 293 Surfklasse als Umsteigerklasse für Optimistensegler beworben wurde. „Da habe ich mir in den Kopf gesetzt, unbedingt mit dem Surfen anfangen zu wollen“, erinnert sie sich.

Nicht begeistert davon waren die Eltern, diese waren eingefleischte Segler. Nach einigem Hin und Her und durch viel Überzeugungsarbeit durfte Steffi zum „Probesurfen“ an den Chiemsee. Ihre erste Surfregatta war dann der Inselmarathon am Bayrischen Meer. Da der Regatta Surfclub Chiemsee der Bayernweite Stützpunkt für die BIC Techno-Klasse ist, war für Steffi Schwarz klar, an den Chiemsee zu wechseln. Hier wurden die Grundlagen zu ihrer Surf-Laufbahn gelegt. Trotzdem trainiert sie überwiegend am Ammersee, dort hat ihre Oma ein Grundstück und da ist der Zugang zum Wasser ideal. Am Anfang der Karriere mussten trotzdem die Eltern oft die Fahrdienste zum Training und zu den Regatten am Chiemsee oder auch ins Ausland übernehmen. Mittlerweile ist das mit dem Umstieg in die olympische Erwachsenen-Surfklasse RS:X und dem Führerschein in der Tasche etwas einfacher. „Ich freue mich jetzt auch darauf, wieder mehr Wettkämpfe bei meinem Heimatclub bestreiten zu können,“ sagt sie. Das i-Tüpfelchen beim Regattasurfen ist für die Schülerin der Kontakt mit Gleichaltrigen aus aller Welt und auch der Wettkampfaspekt. „Der sorgt für genug Gesprächsstoff und Gemeinsamkeiten sowie Erlebnisse.“ Wichtig ist beim Windsurfen die ganzheitliche körperliche Fitness. Es sind alle Körperregionen gefordert. Beim Regattasport kommt dann auch noch Technik, Wissen über das Material und die Taktik dazu.

Steffi Schwarz nennt es „Schach auf dem Wasser“.

Ihr Training spielt sich überwiegend auf dem Wasser ab. Nur so kann man das Gefühl für die verschiedenen Bedingungen und das Material erarbeiten. „Die Einstellungen von Segel, Krafteinsatz und Körperhaltung gilt es dann möglichst genau abzuspeichern.“ Freimütig gibt sie zu, dass sie kein großer Fan von Kraft- und Konditionstraining ist. Als Ausgleich praktiziert sie Schwimmen, Skifahren und Reiten, damit sind auch ihre Hobbys aufgezählt. International hat die 18jährige bereits große Erfolge feiern können. Bei der EM 2011 wurde sie in der BIC Techno-Klasse achte. Im RS:X konnte sie sich für die größte und wichtigste Regatta im Juniorenbereich, der ISAF Youth Worlds qualifizieren. Dort erreichte sie den 12. Platz. Eine wichtige Entscheidung für das junge Talent war, dass Windsurfen im olympischen Programm bleibt. Die Segelverbände fördern Segelklassen auch in den Nachwuchsklassen nur, wenn auch eine Teilnahme an den Olympischen Spielen möglich ist. Darum ist das Fernziel Olympische Spiele für Steffi Schwarz auch reizvoll, jedoch noch zu weit entfernt, ob das mit ihrer zukünftigen Lebenssituation vereinbar ist. Viel mehr will sie in diesem Jahr ihre Ziele umsetzen. Das ist unter anderem die erneute Qualifikation für die ISAF Youth Worlds. Aber auch die Junioren EM und WM will sie bestreiten. „Für mich hat aber immer noch die Schule oberste Priorität. Es geht auf das Abitur zu, da werde ich mit dem Surfen einen Gang zurückschalten.“ Ein Berufsziel hat Steffi Schwarz noch nicht vor Augen. Gerne würde sie studieren, was, wann und wo lässt sie offen. „Ich hoffe es werden sich Wege finden, Sport und Studium so gut zu vereinen, wie bisher Sport und Schule.“

Bericht: Siegi Huber
Fotos: Steffi Schwarz, Vincenzo Baglione