Hans-Peter Rechl der Chiemgauer in Jesolo

Für viele Chiemgauer ist es die erste Adresse in Jesolo an der Adria: das Bavaria Stüberl in Europas längster Fußgängerzone (15 km).

Inhaber ist Hans-Peter Rechl aus Trostberg und ihn wollen wir diesmal in unserer Serie „Chiemgauer, die es weit ab von der Heimat geschafft haben“, vorstellen. Neben dem Lokal mit bayrischen und internationalen Spezialitäten betreibt Rechl auch das Zwei-Sterne-Hotel „International“ mit 54 Zimmern. Nach knapp 25 Jahren in Jesolo fühlt er sich schon ein wenig als Italiener. Doch eins ist für ihn auch klar: „Einmal Chiemgauer – immer Chiemgauer.“

Mitte Juni feiert der umtriebige Gastronom seinen 60. Geburtstag. „Solange ich gesund und fit bin, werde ich mein Lokal hier weiterführen“, betont er im Gespräch mit Chiemgau Land und Leute.  Von Anfang an sei ihm klar gewesen, dass ein Erfolg an der italienischen Adria nur über eine gute einheimische Küche, aber auch über seine bayrischen Schmankerl führe. Das Bier beziehe er  aus Bad Reichenhall und Tacherting  und die Wurstwaren aus Trostberg. „Das schmeckt auch den Italienern“, sagt er stolz. Natürlich locke auch die bayrische Einrichtung im Bavaria Stüberl die Gäste an.

Klar, dass fast „der gesamte Chiemgau bei mir zu Hause ist“. Musikbands, Fußballvereine und Privaturlauber geben sich beim Rechl sozusagen die Klinke in die Hand.

„Der Beginn einer großen Liebe“ sei für ihn 1961 der Sommerurlaub mit seinen Eltern in Jesolo gewesen, bekennt der Gastronom. In den 1980er Jahren arbeitete er zunächst in einem Hotel direkt am Strand; in dieser Zeit erlernte er die italienische Sprache. Seine ersten selbstständigen gastronomischen Schritte unternahm er allerdings im Chiemgau, zunächst in Siegsdorf-Vorauf und dann in Inzell. Als Mitte der 1990er Jahre der Tourismus in Bayern nicht mehr so gut lief, habe er beschlossen, „seine Zelte in Italien aufzuschlagen“.  Mit viel Fleiß und Energie hat er sich mittlerweile mit seinen Betrieben in Jesolo etabliert. Und mit großem Zeiteinsatz: „Sieben Tage die Woche jeweils 14 Stunden.“ Mit der italienischen Mentalität habe er sich schnell angefreundet. „Die Italiener sind nett und gastfreundlich. Aber sie kommen einfach grundsätzlich zu spät. Das passiert dir bei den Bayern weniger.“ Wichtig ist für Rechl gutes Personal und vor allem immer selbst mitzuarbeiten und vor Ort zu sein. „Nur dann kannst du anschaffen und wenn es sein muss, auch mal laut werden.“ Gutes Personal zu halten, sei nicht immer leicht. Derzeit beschäftige er rund 20 Angestellte am Höhepunkt der Saison. Etwa 14 davon seien schon seit vielen Jahren bei ihm. „Die Urlauber freuen sich auch auf diese Mitarbeiter und fühlen sich deswegen bei mir zu Hause.“

In der Hochsaion bleibt für den Gastronom das Privatleben auf der Strecke. Ruhiger sei es ab November bis in den März. „Viel Schlafen ist mir in dieser Zeit wichtig, und mein Hobby:  Golfspielen. Ab und zu fliege ich in die Sonne. Im vergangenen Jahr habe ich es im Sommer an keinem einzigen Tag an den Adriastrand  geschafft“, erzählt er. Wenn dann noch Zeit bleibt, besucht er seine Jugendfreunde und Familienangehörigen in Trostberg und Ruhpolding.

Aus der Heimat stammt auch sein Spitzname „Fratello Pedro“. Alle Mitspieler seines ehemaligen Tennisclubs haben sich damals einen solchen „Künstlernamen“ verpasst. Ob er  jemals wieder in den Chiemgau zurückkommen wird, lässt er offen. Er fühlt sich wohl in seinem „Bayrischen Zentrum“ von Jesolo, wie er es bezeichnet. Dennoch: Auch in Italien ist es im Gastronomiebereich nicht leichter geworden. Vor allem, wenn man sich selbstständig machen will. „Das wäre für mich heutzutage alles schwieriger.“ In Jesolo ist laut Rechl die Saison nicht mehr das, was sie vor 30 Jahren war. „Es kommen bei weitem nicht mehr so viele Gäste. Die Berufssparte ist überall schwieriger geworden. Du musst immer auf dem neuesten Stand sein, darfst nicht zu teuer sein und die Portionen müssen groß sein.“ Für Hans-Peter Rechl zählt daher das Motto: „Tutto il mondo e´ paese – die ganze Welt ist ein Dorf, jedes Land hat seine Probleme.“ Was das Jammern betreffe, habe er nur im Winter Zeit, im Sommer nicht. Aber: „Ich bin sehr stolz auf das, was ich hier auf die Beine gestellt habe.“

Text: Siegi Huber

Bilder: Rechl, privat, S. Huber