Schäfer – kein Beruf für Romantiker

„Ein Schaf ist nicht dumm, sondern stur“

„Schäfer ist der älteste Beruf der Welt. Und Schafe waren die ersten Haustiere des Menschen“, erzählt Quirin Fröwis im Gespräch mit Chiemgau Land und Leute.

Der 34-Jährige aus Amerang ist Schäfer; er hat 550 Mutterschafe und zwischen 100 und 300 Lämmer unter seiner Obhut. Der Schäferberuf gelte für viele Menschen zwar als romantisch,  „dieser Eindruck trifft aber nicht immer zu, obwohl ich meinen Beruf sehr gern habe“, sagt Fröwis. Als Schäfer müsse er bei jedem Wetter raus, ob bei großer Hitze oder Regen und Kälte. „Dazu kommt das aufwändige Klauenschneiden.“ ie Schafe brauchen geeignete Flächen und solche sind hier in der Region eher Mangelware. Den größten Teil seiner Tiere hat er auf dem Gelände des Bundeswehrübungsplatzes im Norden von Traunstein untergebracht.

Bereits als Bub wuchs Quirin  Fröwis in die Schäferei seiner Eltern Werner und Rita mit hinein. Sie hatten den Betrieb in den 1980er Jahre aufgebaut – zunächst  ganz klein, mit einem Schaf und zwei Lämmern.

Nach seinem Realschulabschluss stand für ihn fest, Schäfer  zu werden und in den Familienbetrieb einzusteigen. Die Prüfung legte er bayernweit als Bester seines Jahrgangs ab. „Da bin ich sehr stolz darauf, dass ich das als kleiner Nebenerwerbsschäfer geschafft habe.“ Vor zwei Jahren übernahm er mit seiner Frau Sandra den elterlichen Betrieb.

Die Beziehung zu seinen Tieren zu beschreiben, sei nicht so einfach. „Mir ist bewusst, dass ich für meine Schafe eine gewisse Verantwortung habe. Es ist mir aber auch klar, dass ich von ihnen leben muss, sie sind quasi mein tägliches Brot. Ich mag meine Tiere, baue aber keine intensive Beziehung auf. Ich habe Respekt davor und wichtig ist, dass es ihnen gut geht.“

Die Schafhaltung sei nicht mit der Kuhhaltung vergleichbar, betont der 34-Jährige.   „Ich muss nicht zu fixen Zeiten in den Stall um zu melken und zu füttern. Im Winter wenn die Tiere im Stall sind, ist es egal, wann sie gefüttert werden. Ich bin da nicht so

gebunden.“ Eines haben Schafe aber mit Kühen gemeinsam, sie ernähren sich gleich. Im Sommer überwiegend vom Gras auf der Weide. Anders ist es an den rund 140 Stalltagen zwischen Ende Dezember bis Anfang Mai. Da bekommen sie Gras- und Maissilage; verwendet werden vornehmlich eigene Futtermittel.

Das Fleisch der Schafe wird zum Teil am Hof in Amerang vermarktet, der Rest geht an die Erzeugergemeinschaft. Lammfleisch schmeckt besonders zart und hat einen eigenen Geschmack. Am Hof der Fröwis gibt es aber auch Produkte aus Schafswolle zu kaufen, unter anderem chemiefreie Lammfelle

Der wichtigste Begleiter des Schäfers ist der Hund.

Mit der Schafzucht das große Geld zu verdienen, sei nicht möglich, sagt Fröwis junior. Überwiegend stamme der Verdienst aus dem Verkauf von Lammfleisch.  Die Wolle bringe kaum noch Ertrag. „Die Zeiten sind schon lange vorbei. Früher, nach dem Krieg hat die Schäferei nur von der Wolle gelebt. Das mit dem Fleisch ist damals nebenbei gelaufen.“ Er hat noch Abnehmer für die Wolle seiner Merinolandschafe, „die  haben die feinste Wolle und damit eignet sie sich optimal für die Weiterverarbeitung“. Das Scheren der Schafe überlässt er professionellen Schafscherern, „die besten brauchen knapp eine Minute, um ein Tier sauber und schonend zu scheren.

„Ohne meinen Hund läuft gar nichts. Der muss die Herde zusammenhalten“, erklärt der Ameranger. „Schafe merken schnell, wenn der Hund einmal nicht ganz fit ist. Die versuchen sofort, ihn auszutricksen und nutzen jede Schwäche aus.“ Die Ausbildung eines Hundes für diese Aufgabe sei nicht leicht. Bestens dafür geeignet seien die Altdeutschen Hütehunde. „Das sind robuste und sehr treue Tiere.“

Jemanden als „dummes Schaf“ zu bezeichnen – wie der Volksmund oftmals spricht – sei schlichtweg falsch.  „Ein Schaf ist nicht dumm, sondern stur“, sagt Fröwis lachend. „Die Tiere besitzen einen guten Orientierungssinn und eine gute Menschenkenntnis. Sie wissen zum Beispiel genau, wo ihr Futterplatz ist und wer ihr Herr ist.“

Sorgen bereitet dem Juniorchef die Zukunft der Schäferei. Es fehle am Nachwuchs, der Verdienst sei gering. „Die Haupteinnahme ist Fördergeld aus der Landschaftspflege. So bringt ein Lamm 100 Euro, davon bleiben gerade 15 Euro übrig.“ Ein weiteres Problem bringe die Wiederansiedlung des Wolfes. Immer wieder gebe es Berichte von Wölfen, die Schafe reißen. Das habe schon einige Schäfer zur Aufgabe bewogen. „Man muss da überlegen, ob das noch Sinn macht“, sagt Quirin Fröwis kritisch und klingt dabei etwas traurig.

Infos unter:
www.schaeferei-froewis.de

Text: Siegi Huber

Bilder: Ernst Wukits