Alle Deine Lieder
Ein musikalischer Geheimtipp: Vera und Sarah Klima
„Klima“ gilt als einer der aufregendsten Geheimtipps der deutschen Musikszene: Die Schwestern Vera und Sarah Klima aus dem Chiemgau und ihre Band stellen am 6. März im „Schlachthof“ München mit einem großen Release-Konzert ihr zweites Album vor: Lieder über die Reise des Lebens, vom Loslassen und Ankommen, vom Weglaufen und nach der Sonne greifen, von alten und neuen Pfaden, die sich in der eigenen Mitte kreuzen.
„Die mit mehreren Preisen ausgezeichnete Musik der ‚Klima-Sisters’ ist aus dem Leben geschnitztes Songwriting, Liedermacherpoesie in zum Schmelzen schönen Harmonien. Wie die Jahreszeiten schwingen sie zwischen leichtfüßigem Akustikfolk und pulsierendem Deutschrock.“ So heißt es in Konzert-Ankündigungen, und ähnlich urteilen unisono Musikkritiker in vielen deutschen Medien. Warum sie sich dennoch völlig unaufgeregt, aber völlig ergeben, ihrer Musikleidenschaft hingeben, kritisch über die Musikindustrie nachdenken und trotzdem vom künstlerischen „Durchbruch“ träumen dürfen, erfuhr Chiemgau Land und Leute im Gespräch mit dem sympathischen Geschwisterpaar.
Liedermacher oder Pop? Da tun sich Vera und Sarah Klima schwer mit der Antwort. „Ich bezeichne es als Songwriter-Pop – verglichen mit bekannten Stars liegen wir mit unserer Musik irgendwo zwischen Milow, KT Tunstall oder Silbermond“, legt sich die 26-Jährige fest. Und Norah Jones, die bekannt wurde mit ihrem Akustik-Minimal-Popstil, komme doch eher aus der Pop-Jazzecke, da sei „Klima“ doch mehr Pop orientiert. „Meine Kompositionen sind nicht festgelegt, in welche Richtungen sie gehen sollen. Ich schreibe die Stücke, wie sie mir in den Sinn kommen“, erklärt sie. Allerdings hätten sie sich durchaus einige aktuelle Musikproduktionen angehört, bevor sie für ihr neues Album ins Studio gegangen sind. „Aber da ging es uns vor allem ums Arrangement und um den Sound.“ Vera machte 2005 ihr Abitur, entschied sich aber für ihre Kunst: Sie lebt von der Musik – nicht allein von „Klima“, sondern auch als Sängerin einer international erfolgreichen ABBA-Coverband und mehreren Projekten verschiedener Stilrichtungen. Nebenbei unterrichtet sie noch Gesang und singt in vielen Studios.
Songs schreiben, wie es in den Sinn kommt – heißt das, einfach zur Gitarre greifen und schon geht’s dahin mit dem Komponieren? „Gitarrespielen habe ich überhaupt nicht gelernt, sondern Geige, und Sarah hat Klavier gelernt. Und das bereits zu Kindergartenzeiten“, blickt Vera Klima auf ihre musikalische Entwicklung zurück. „Gesungen haben wir beide schon von klein auf. Unser Papa (Winfried Klima, u.a. Musikgefährte von Konstantin Wecker. Anm. d. Red.) war in der Zeit als Liedermacher unterwegs und hat uns oftmals mit auf die Bühne genommen. Als ich elf Jahre alt war, habe ich mir dann immer mal wieder seine Gitarre geschnappt – weil es eher schwierig ist, auf einer Geige Popsongs zu komponieren. Getextet wurde in Englisch, weil ich damals oft Mariah Carey gehört habe.“ Die ersten Lieder seien ohne roten Faden entstanden, erzählt sie weiter. Weil es einfach Spaß gemacht habe, zu musizieren. Dann gründeten die Schwestern die Band „Five-Alive“ – mit ihrem Dad „und weiteren Oldies“. Beide wurden schnell zum Mittelpunkt der Auftritte. „Unser Papa hat uns sicherlich in die musikalischen Bahnen gelenkt, aber wir hatten auch unseren eigenen Antrieb, uns weiterzuentwickeln“, macht Tochter Sarah deutlich.
Zum ersten Mal standen sie dann bei einer Faschingsveranstaltung in der Turnhalle ihres Gymnasiums auf der Bühne: Vera war elf, Sarah 13 Jahre alt. „Der Papa hat mit seiner Band gespielt, auch Kabarett geboten, und wir haben einige Stücke gespielt, unter anderem von ‚Sister Act’ Das war toll, der Saal hat getobt, daran können wir uns gut erinnern. Ein tolles Erlebnis“, sind sich beide einig.
Und dann ging’s los mit dem Liedermachen. Sarah: „Ich kann mich noch daran erinnern, wie die Vera mir ihr erstes Lied ‚Don’t leave’ vorgestellt hat. Sie hatte sich einfach ans Klavier gesetzt, Töne für die Melodie gesucht, dann dazu die passenden Akkorde – obwohl sie das nicht gelernt hat. Ich fand das total cool und habe mir eine Begleitung am Klavier ausgedacht.“ Sie haben dann den Song zweistimmig gesungen und Vera gab noch ein Geigensolo als Zugabe. „Danach war für mich klar, dass ich auch ein Stück schreiben wollte.“ „Run“ hieß Sarahs erster Song. Musik ist nicht alles in Sarahs Leben: Sie machte 2002 ihr Abi und studierte dann Grafik Design in München. Mittlerweile hat sie sich erfolgreich selbständig gemacht und ist bei Klima natürlich fürs Design verantwortlich – vom Plakat-Entwurf übers CD-Booklet bis zum Internetauftritt. Die Band mit der Schwester ist also in doppelter Hinsicht ihr kreatives Herzstück.
Der Anstoß, Songschreiben systematischer anzugehen, kam am 40. Geburtstag ihres Vaters. Da haben die Töchter die Gäste mit ihren eigenen Stücken offenbar so begeistert, „dass alle sagten, das müsst ihr unbedingt weitermachen“, erinnern sich beide. In der Folge standen sie immer wieder auf Kleinkunstbühnen und machten sich als Duo nach und nach über Presseberichte einen Namen. Um 2001 gab es dann aber mehr und mehr Auftritte mit der Band.
In Medienkritiken wurden „Klima“ mit der US-amerikanischen Countryband „Dixie Chicks“ verglichen – da sind sich die Schwestern nicht ganz einig, ob das zutrifft. Musikalisch vielleicht, weil die 1989 gegründete Frauenband mit ihrem Stil mittlerweile mehr und mehr in Richtung Rock und Pop wandert – dennoch: „Klima“ spielt keine Country-Music.“
Der Vergleich kommt nach Ansicht von Vera und Sarah dadurch zustande, weil zwei Frontfrauen der „Dixie Chicks“ Schwestern sind. „Klima“ fühlt sich aber trotzdem geehrt, schließlich haben die „Dixies“ bis heute mehr als 30 Millionen Alben verkauft…
Wenn die Kritiker diesen Vergleich ziehen, stellt sich die Frage: Warum sind die Klima-Schwestern mit ihrer Musik noch nicht in den deutschen Charts zu finden?
„Wir sind sicherlich schon einigen potentiellen Partnern aus der Musikindustrie begegnet. Es kam aber bislang nicht zu einer Zusammenarbeit, weil wir nicht unbedingt nur Absagen bekamen, sondern auch wir oftmals nicht wollten. Wenn das Bauchgefühl was anderes sagt…“, gibt Sarah zu bedenken. Teilweise habe es Vertragsangebote gegeben, „wo du dir als Newcomer ans Hirn langst: Da gab es Vorschläge, dass sich eine von uns die Haare schwarz färbt und wir sozusagen als Engelchen und Teufelchen verkauft werden.“ Fazit: Klares Nein. Denn: „Verbiegen lassen wir uns nicht.“
Dennoch zeigen sich beide Klimas kompromissbereit. Zum Beispiel im Bereich der Produktionen: Da würden sie schon auf Vorschläge eingehen, welches Stück eines Albums als Singleauskopplung festgelegt wird. „Oder einen Song doch etwas zu verändern oder anders zu produzieren.“ Das war’s dann auch schon.
Sarah: „Uns ist schon klar, dass die Musikindustrie immer vorsichtiger wird bei Vertragsabschlüssen. Die Umsätze sinken, und somit sind oftmals nur noch Künstler gefragt, die eine Marktlücke füllen und für sicheren Umsatz sorgen. Und die Radioszene erwartet, dass der Künstler oder die Band eine funktionierende Marketingmaschinerie mitbringen, bevor sie deinen Song den Hörern präsentiert.“ Womit sich die berühmte Katze in den Schwanz beißt: Denn gerade die sogenannten Airplays mit relativ hoher Rotation sorgen für den Bekanntheitsgrad, der dann der Plattenindustrie die Tantiemen in die Kassen spült.
„Wir hatten im Schlachthof München als Duo den ‚Songwriters-Live-Contest’ gewonnen. Jury-Mitglied Jörg Fischer von Koch-Records brachte uns zu einer Hörprobe bei ‚Universal Berlin’, wo wir vorgespielt haben“, ergänzt Vera. „Aber der Zeitpunkt war vielleicht zu früh, weil unser Projekt und das Songmaterial einfach noch nicht rund war.“ Beiden ist klar, dass die Plattenbosse ein fertiges Produkt haben wollen, dass sofort auf Konzertreise gehen kann und für Umsätze sorgt. Ein zweites Mal bei ihnen anzuklopfen, mache eh’ keinen Sinn.
Beiden ist auch klar, dass sie mittlerweile – trotz eigenständiger intensiver Marketingarbeit, einer Vielzahl umjubelter Konzerte und erfolgreicher TV-Auftritte - an einem Punkt angekommen sind, von dem sie ohne Unterstützung aus der Musikindustrie nicht mehr voran kommen. Somit bleiben die erforderlichen Airplays auf landesweiten Radiostationen aus.
Mit Geld im Rücken sähe das ganze Spiel also anders aus, da sind sich beide einig. Das geht schon bei der Produktion des Albums los: „Kannst du einen bekannten Produzenten aus dem Genre bezahlen, hat der anschließend mit dem CD-Produkt entsprechend höhere Chancen, den Markt für dich zu öffnen.“
An den Songs kann es nicht liegen – das macht ihr Debüt-Album „Alle Deine Lieder“ aus dem Jahr 2008 deutlich. Sozusagen in letzter Minute – vor ihrem großen Auftritt beim Münchener Sommernachtstraum im Olympiapark vor 60.000 Besuchern kamen die CD-Kartons aus dem Presswerk. Die Endphase im Studio war ein unglaublicher Stress, die Produktion rechtzeitig zu beenden. Es gab ein großes Medienecho, Bayern 3 stellte „Klima“ in der Newcomershow vor und Laith Al-Deen war so begeistert von den Klima-Schwestern, dass er sie mehrfach als Vorband auf seiner Deutschlandtour engagierte.
Jetzt freuen sich Vera und Sarah Klima auf ihr neues Album: „Unterwegs“ ist ab 6. März auf dem Markt, produziert von Stephan Zeh in seinem Studio „Mischbatterie“ in Riedering. Präsentiert wird die neue CD wie oben gesagt bei einem „Release-Konzert“ im Schlachthof München am 6. März. Es sind 13 Songs auf der Scheibe (wobei Nummer 13 nur ein kleines „Zuckerl“ ist.) Wo es sie überall zu kaufen gibt, steht noch nicht fest, weil der Vertrieb noch verhandelt wird. Vera und Sarah: „Natürlich haben wir sie bei Konzerten dabei.“
Wie geht es weiter? Sarah und Vera: „So, wie wir es seit langem umsetzen: Präsent sein auf den Bühnen, Werbung über die Presse machen – und spielen, spielen, spielen.“
Weitere Informationen unter: www.klimamusik.de








