„RECUP“ statt Pappbecher

Eine Idee aus Rosenheim auf dem Weg zur Erfolgsstory

Zahlen, die erschreckend sind: Stündlich werden in Deutsch-land 320 000 Einwegbecher verbraucht, pro Jahr sind das fast drei Milliarden Stück – der schnelle Kaffe zum Mitnehmen ist halt beliebt.

Allerdings mittlerweile auch ein Ärgernis und schädlich für die Umwelt: Immer mehr weggeworfene Coffee-to-go-Becher verschmutzen Straßen, öffentlichen Plätze wie auch die Natur und sorgen so jährlich für mehrere tausend Tonnen Müll, kritisiert die Deutsche Umwelthilfe (DHU). Der eingetragene Verein wurde 1975 gegründet und ist eine nichtstaatliche Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation in Deutschland. Für die Herstellung der Pappbecher werden laut DHU zehntausende Tonnen Holz und Kunststoff sowie Milliarden Liter Wasser benötigt, für die Produktion ist jährlich eine Energiemenge nötig, mit der man eine Kleinstadt versorgen könnte. „Die zunehmende Vermüllung der Städte und die Vergeudung wertvoller Ressourcen nehmen wir nicht hin und fordern jeden dazu auf: Trinkt Kaffee aus Mehrwegbechern und schütze die Umwelt“, appelliert die Umweltorganisation schon seit längerer Zeit an Verbraucher.

Offene Augen für dieses zunehmende Umweltproblem hatte Florian Pachaly, denn leere Kaffeebecher in überquellenden Mülleimern in der Rosenheimer Uni hatten ihn schon länger genervt. Noch mitten in seiner Bachelorarbeit gründete der Rosenheimer BWL-Student im Spätsommer 2016 mit Fabian Eckert das Start-Up „RECUP“, ein mittlerweile deutschlandweites Pfandsystem für Coffee-to-go-Becher. Knapp zweieinhalb Jahre später funktioniert ihr System an ca. 2000 Standorten reibungslos.

Wenn die Entwicklung so weiter geht, dann könne das junge RECUP-Team sich in einem Jahr schon selbst finanzieren, erklärte der Jungunternehmer im Gespräch mit Chiemgau Land und Leute. Was auffällt bei unserem Besuch im Münchner Großraumbüro: Das Team ist auffällig jung und mit hoher Frauenquote könnten zwei Fußballmannschaften gebildet werden – es sind zur Zeit 22 Leute. Und: Zur Ausstattung zählen neben einem Hochbett auch eine Tischtennisplatte – für die große Konferenzrunde, wie Pachaly schmunzelnd sagt. Natürlich gibt es auch eine kleine Kaffeetheke. Auf den Schreibtischen stehen sogar Masskrüge im RECUP-Design. „Den bekam jeder Mitarbeiter zur letzten Wiesn.“ Ein netter Gag.

Anfangs sei er schon inkonsequent gewesen. „Obwohl mich das Becher-Problem genervt hatte, stand mein eigener Thermobecher die meiste Zeit ungenutzt zu Hause herum“, gestand Pachaly. Auch Fabian Eckert habe sich schon länger mit dem Thema beschäftigt. Vernetzt wurden die beiden dann durch eine gemeinsame Bekannte. Danach ging alles ganz schnell auf dem Weg zum Pfandsystem für Kaffeebecher

Florian Pachaly

So funktioniert das System:

„Ich hole mir morgens einen Coffee-to-go beim Bäcker oder in einem Café, wähle statt eines Einwegbechers einen RECUP und zahle einen Euro Pfand. Später kann ich in der App auf meinem Handy checken, wo der nächste RECUP-Partner ist und dort den Becher wieder gegen den Euro tauschen“, schwärmt der Jungunternehmer. „Ziel des Systems ist es, dass die Becher so möglichst lange im System zirkulieren. Natürlich können auch mehrere Becher abgegeben werden, falls man es einmal nicht direkt zum nächsten Cafe schafft.“ Pachaly: „Coffee-to-go mit gutem Gewissen aus einem trendigen, stabilen Becher genießen, das überzeugt eigentlich jeden. Die teilnehmenden Geschäfte zahlen eine Service und Leihgebühr für die Becher von etwa ein Euro pro Tag und sparen dafür den Kaufpreis von hunderten bis tausenden Einwegbechern im Jahr. Eine win-win System für alle und in erster Linie für die Umwelt.“

RECUP arbeite möglichst nach eigenen Umwelt- und Nachhaltigkeitsregeln, so der Geschäftsführer. „Werbematerial wird nur mit einem Flyer in kleinen Mengen verteilt, denn die Devise gilt auch hier, so wenig Müll als möglich.“ Zur Ackquise der Kunden wird mit dem Zug gefahren, Fliegen ist ein No-Go, im Büro heißt es, Plastikverpackung vermeiden, Plastiktüten sind unerwünscht und das Tragerl Bier für die Afterworkparty wird natürlich nur mit klassischem Pfandsystem geordert.“

So kann jeder zum RECUP-Nutzer werden: Entweder die RECUP-App aufs Handy laden oder auf der Internetseite unter www.recup.de informieren.

Jeder hat übrigens die Möglichkeit, sein Lieblings-Café oder seinen Bäcker auf diese Idee anzusprechen oder an RECUP eine Info zu senden, „denn jede neue Station ist natürlich herzlich willkommen“, sagt Pachaly.

Wirklich überraschend war im Gespräch die Tatsache, dass die Firma RECUP von vielen Städten und Gemeinden kontaktiert wird mit der Bitte, das System auch bei ihnen einzuführen. „Bürgermeister und Stadträte bieten Roundtable-Gespräche an, um die Partner zu vermitteln, und der Umweltgedanke scheint wirklich ins Rollen zu kommen“, freut sich der Start-Up-Gründer.

Die Mehrwegbecher können mindestens 500 Mal benutzt werden.

Eine hoffnungsvolle Entwicklung, denn in dem Gespräch wird deutlich: Das RECUP-Team will die Menschen nicht erziehen und setzt nicht auf Verbote, sondern will überzeugen, „wie ein guter Kaffee mit gutem Gewissen noch besser schmeckt“.

Zur Zeit lebt das junge Unternehmen noch von Finanzpartnern, die an das Startup von Anfang an geglaubt haben und dem Team um die Geschäftsführer Florian Pachaly und Fabian Eckert alle Freiheiten gewähren, wie sie versichern.

Bericht: J. Schiff

Fotos: RECUP