Sabine Meyer  bei der AlpenKlassik

25. August bis 2. September  in Bad Reichenhall

Zur fünften Ausgabe des Festivals AlpenKlassik reist ein Weltstar mit Herz von Lübeck nach Bad Reichenhall:  die Klarinettistin Sabine Meyer.

Beim Festival AlpenKlassik in Verbindung mit der International Summer School treffen sich in Bad Reichenhall Größen der Musikwelt und Studenten aus aller Herren Länder zu Konzerten und Unterricht.  Es finden Solokonzerte mit dem Orchester der Bad Reichenhaller Philharmonie, Kammermusik-Konzerte und Meisterklassen für Musikstudenten und Musiker statt.  Mit dabei als Solistin und Dozentin:  Sabine Meyer.

In den Surprise-Konzerten präsentieren sich die Besten der Schüler. Auch die Meisterklassen sind für das Publikum geöffnet.

Beim Eröffnungskonzert am 26. August in der Konzertrotunde am  königlichen Kurgarten wird die Ausnahmekünstlerin zusammen mit ihrem Ehemann Reiner Wehle (Bassethorn) und der Philharmonie Bad Reichenhall  zwei Konzertstücke von Felix Mendelssohn Bartholdy darbieten.

Überzeugen Sie sich doch selbst davon, dass die Legatos, die sanften, geschmeidigen Spannungsbögen der sonoren Klarinettentöne in verschiedensten Schattierungen etwas ganz Besonderes sind. Warum, wird im Gespräch mit Chiemgau Land und Leute einmal mehr deutlich: Die Klarinette sei für sie nicht nur ein Musikinstrument, „ich kann mit ihr singen und sprechen“, sagt sie.  „Kein anderes Instrument ist der menschlichen Stimme und der Emotionalität so nahe.“

Die Klarinette und Sabine Meyer gehören zusammen, das war bald, nachdem sie von der Geige zur Klarinette wechselte, klar. Das Musizieren mit Bruder und Vater in der Dorfkirche habe schon in der Kindheit zu ihrem Leben gehört, erzählt sie. Der Vater war Musiklehrer, Organist in der Kirche und spielte in der Nachkriegszeit gerne Bigband-Jazz. Der Großvater spielte in der Postkapelle in Crailsheim. Die Eltern hatten ein Musikgeschäft, so dass die Kinder verschiedene Instrumente spielen konnten, es gab ja genug zur Auswahl.

Sabine Meyer fing mit Geige an, lernte Klavier und spielte auch an der Orgel, dann entdeckte sie die Klarinette für sich.

Ihr Bruder Wolfgang war der Erste in der Familie, der sich entschied, Klarinette zu studieren. Sie folgte ihm später nach.

Die Klarinette könne ab etwa acht Jahren gelernt werden, vorher seien Hände und Kiefer noch zu klein, rät die Künstlerin. Wichtig sei aber vor allem „ intelligentes“ Üben.  Sich kleine Stücke nehmen, das Stück nicht ständig ganz wiederholen. Hören und spüren, was schwierig ist, wo man vielleicht verspannt ist. Meyer: „Sich selbst Brücken bauen und sich nach jedem Üben fragen, was habe ich heute erreicht? Es muss heute noch nicht alles geschafft sein.“ Auf ihrem Weg zu einer der renommiertesten Instrumentalistinnen dauerte das tägliche Üben manchmal sieben  bis acht Stunden, wie sie sich erinnert.

Nach ihrer Zeit als Soloklarinettistin beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, die sie mit Anfang 20 begann, wurde sie von Herbert von Karajan als zweite Frau zu den Berliner Philharmonikern – damals noch ein Männerorchester – geholt. Erste Tourneen mit ihr als Solistin wurden große Erfolge.  In den 1990er Jahren wurde sie als eine der besten ihres Faches von Claudio Abado zurück nach Berlin geholt.

Mozarts Klarinettenkonzert brachte ihr den ersten von mittlerweile acht ECHO-Preisen und kürte sie zur Instrumentalistin des Jahres. Sie ist ein Weltstar der Klassik, ihre Konzerte führten sie auch nach in China, Japan, USA und viele andere Länder.

Auch ihren Ehemann Reiner Wehle, ebenso mit zahlreichen  Preisen ausgezeichneter Solo-Klarinettist, reiste mit namhaften  Orchestern  rund um den Globus.

Neben der Bühne zog es Sabine Meyer, wie auch ihren Mann und Bruder,  in die Lehrtätigkeit. An der Musikhochschule Lübeck gab es 1993, als die beiden Kinder von Sabine Mayer und Reiner Wehle noch klein waren, die erste Professur in Deutschland, die man sich teilen konnte.

Ein besonderes Anliegen ist Frau Meyer, eine Verbindung zwischen Körper und Atem  des Musikers und seinem Instrument zu erzielen. Der Klang hat einen Platz im Körper, sagt sie. Sie wolle ihre Schüler darin unterstützen, ein Fundament zu bauen, denn wenn das nicht stimme, könne man kein Hochhaus bauen.

Im Unterricht ist es den Meyers wichtig, den Schüler individuell und persönlich zu begleiten. Manchmal ist Zeit zum Reden nötig, zum Beispiel, wenn Traurigkeit da ist. Es sei spannend, mit den verschiedensten Persönlichkeiten im Kontakt zu sein. Die Künstlerin erzählt, dass sie beim Unterrichten neben Pädagogin häufig fast Psychologin sei. Bei ihnen würden Lehrer und Schüler auch zusammen feiern und lachen.

Der Reiz des Auftritts vor Publikum liege für sie darin, die  Herzen der Menschen mit der Musik aus ihrem Innersten zu erreichen. Sie selbst werde durch die Energie des Publikums  und die Atmosphäre bereichert. Es handele sich um ein Geben und Nehmen.

Auf die Frage, ob manche Zuschauer mehr an dem wunderbaren Kleid einer schönen Frau als an ihrer Musik interessiert seien, lacht die „Königin der Töne“ herzlich. Und was für ein wunderbares Statement, dass sie sich selbst bei Solokonzerten nicht wirklich als Solistin empfinde, sondern wie bei der Kammermusik als ein Teil des Teams. Solist und Orchester würden sich gegenseitig die Bälle zuwerfen, da haben wir es wieder – das Geben und Nehmen.

Kammermusik sei wunderbar dicht und biete die schönste Literatur für Klarinette, es gäbe ja nur ein einziges Mozart-Klarinettenkonzert.

Bei einem Konzert für die Mutter in der heimischen Dorfkirche entstand das Trio di Clarone. Das Zusammenspiel von Klarinette mit Bassetthörnern (Sabine Meyer mit ihrem Mann und Bruder ) erweckte die Begeisterung der Zuhörer und andererer Musiker.

Als junges Orchesterinstrument stehe für die Klarinette ein grosses Repertoire an neuerer Musik zu Verfügung. Es sei spannend, sich in neue Bereiche weiter zu entwickeln, wie die Kombination von Mozart mit moderner Musik und  die Zusammenarbeit mit Jazzmusikern. Auf einer CD haben die Meyer-Geschwister Sabine und Wolfgang eine Hommage an Benny Goodman aufgenommen.

Sabine Meyer: „Trotz allem bleibe ich mir selbst treu – die Klassik ist mein Metier.“

Besonders wichtig sei es, das Instrument mit gutem Gewissen weg legen zu können. In ihre bevorstehenden Ferien mit Safari in Botswana dürfen die Klarinetten nicht mitreisen. Den so wichtigen Ausgleich und das zur-Ruhe-Kommen zu Hause schenkt ihnen ihr Landleben mit Pferden und Biogarten.

Im Rahmen ihrer Zeit in Bad Reichenhall freuen sich ihr Mann und sie nebst den Konzerten und der Lehrtätigkeit auf etwas Freizeit in der Voralpenregion, auf die Berge und den Chiemsee.

Im Abschlusskonzert am 2. September spielen die Besten der besten jungen Solisten – ein Fest für die Ohren!

Das Gespräch mit Sabine Meyer führte Cornelia Engel

Fotos: Christian Ruvolo