Die Hoffnung auf olympisches Gold

Laura Dahlmeier eine der besten Biathletinnen

„Scheiß da nix, dann feit da nix“, mit dieser Einstellung hat es Laura Dahlmeier in ihrem bisherigen Leben weit gebracht. Dahlmeier ist die aktuell beste deutsche Biathletin und die große Goldhoffnung bei den Olympischen Wintersspiele im Februar in Pyeongchang, Südkorea. Bodenständig, authentisch und nie ihre Herkunft verleugnend, das sind einige Markenzeichen der 24-Jährigen. Laura Dahlmeier ist ein Siegertyp, der aus einem gewissen Holz geschnitzt sind. Wohl deswegen besucht sie in ihrer Freizeit auch oft ihren Opa in seiner Werkstatt. Der Opa ist leidenschaftlicher Schnitzer und hat für die Enkelin auch einen ihrer ersten Gewehrschäfte angefertigt.

Sie gewann bislang sieben Weltmeistertitel, 13 Medaillen bei Biathlon-Weltmeisterschaften und den Gesamtweltcup der Saison 2016/17. Den Rummel um ihre Person nimmt sie offenbar gelassen. Die „Sportlerin des Jahres“ freut sich nun auf ihre zweiten Olympischen Spiele. Dabei kränkelt die Partenkirchenerin in diesem Winter etwas. Vor der Saison und zwischen Weihnachten hatte sie mit einem Infekt zu kämpfen. Trotzdem liegt alles im Plan für Pyeongchang. „Die Form stimmt“, sagt Bundestrainer Gerald Hönig, warnt aber auch: „Gesundheitlich darf jetzt nichts mehr passieren.“ Druck und Erwartungshaltung sind groß. „Ich will gesund zu Olympia fahren. Natürlich möchte ich auch meine Top-Leistungen abrufen. Was am Ende dabei herauskommt, wird sich zeigen“, sagt Laura Dahlmeier. Die große Kunst dabei, auf den Tag X topfit zu sein. Schließlich ist die Konkurrenz groß. „Ein Geheimnis dafür gibt es nicht wirklich. Man versucht, sich optimal auf die Rennen vorzubereiten, körperlich sowie mental.“

Mit sieben Jahren hielt Laura Dahlmeier zum ersten Mal ein Biathlongewehr in der Hand. Zunächst galt aber ihre Leidenschaft dem alpinen Skilauf. Erst zwei Jahre später hat sie sich für den Biathlonsport entschieden. „Es war der richtige Schritt und die Erfolge geben mir Recht“, schreibt sie auf ihrer Homepage. Derzeit ist der Rummel um ihre Person ziemlich groß, das zwingt sie dazu, viele Anfragen abzusagen. „Laura, kannst du bitte mal schnell?“ – ein Satz, den sie in diesen Tagen sehr oft hört. „Viel zu oft“, betont sie. „Ich muss knallhart sein und sage, nein, ich kann jetzt nicht mal schnell.“ Olympia ordnet die 24-Jährige alles unter, ob in der Staffel und auch im Einzelwettbewerb: Sie will sich den Medaillentraum erfüllen. „In der Mannschaft versucht man, gemeinsam eine Top-Leistung abzurufen und sich gemeinsam darauf einzustellen. Hier ist der Druck besonders groß, da man mit einer schwächeren Leistung seine Kolleginnen nicht so unterstützen kann, wie gewünscht. Im Einzel ist man komplett auf sich alleine gestellt – zumindest während des Rennens.“ Trotz des Trubels, „der einiges an Kraft kostet“, genießt die junge Sportlerin die Aufmerksamkeit. „Ich freue mich schon, dass so viele Menschen mitfiebern.“ Dennoch, ihre Erfolge genießt sie lieber im Stillen, mit Familie und Freunden im kleinen Kreis.

Dort schöpft sie auch Kraft und kann nach Wettkämpfen abschalten. Entspannen kann sie aber auch beim Klettern in den Bergen; ihre große Leidenschaft neben dem Biathlon. Dort sind ebenfalls Höchstleistungen gefragt, allerdings ohne die Zuschauermassen wie etwa in Ruhpolding oder Oberhof. „Das ist ein schöner Ausgleich für mich. Ich bin eigentlich von klein auf in den Bergen unterwegs.“ Damals meistens mit ihrem Vater, der Bereitschaftsleiter der Bergwacht in Garmisch Partenkirchen ist. Laura Dahlmeier ist sich bewusst, dass ihr Hobby mit mehr Risiko als beim Biathlon verbunden ist. „Beides ist für sich genommen ein besonderer Sport und daher nur schwer vergleichbar. In beiden Bereichen können immer wieder neue Situationen aufkommen, auf die man sich einstellen muss.“

Wie gefährlich das Klettern sein kann, zeigte sich im Sommer 2014. Sie ist mit ihrem Vater in den Bergen unterwegs. Plötzlich bricht ein Griff aus der Wand, sie stürzt und verletzt sich dabei am Fuß. Trotzdem bleibt sie dem Klettern treu. „Wenn du in der Wand bist und runterschaust, merkst du, was für ein kleines Wesen du eigentlich bist. Im Vergleich zu diesen Naturgewalten ist ein Biathlonrennen auf einmal gar nichts so großes mehr“, sagte sie in einem Interview mit dem Bergsteigermagazin. Diese Erkenntnis hilft ihr auch beim Biathlon. „Es gibt nichts Schöneres als durch die Berge zu streifen. Den Blick auf den nächsten Griff, das kleine Gipfelkreuz am Horizont oder den Enzian am Wegesrand zu richten und jede Kleinigkeit bewusst wahrzunehmen. Wenn ich dann einen solchen Tag mit meinen Freunden auf einer Hütte ausklingen lassen darf, bin ich sehr glücklich“, heißt es in ihrem Steckbrief auf ihrer Homepage. Abschließend meint sie auf die Frage zu ihren Stärken und Schwächen: „Ich habe wenig Geduld, ich versuche mich aber in allen Bereichen immer weiter zu entwickeln.“ Letztendlich läuft es wohl aber zur Not auf ihr Motto hinaus. „Scheiß da nix, dann feit da nix:“

Text: Siegi Huber
Fotos: Ernst Wukits