„Theater machen ist mein Leben“

NUTS – Ein Erfolgsmodell für Franz-Josef Fuchs

An den Applaus für seine erste Rolle als Schauspieler kann sich Franz-Josef Fuchs nicht erinnern. Aber sie hat sein Leben geprägt: Dem Traun-steiner wurde das Theater-machen sozusagen in die Wiege gelegt.

Am 13. September 1973 blickte Franz-Josef Fuchs zum ersten Mal ins Licht der Welt. Nur knapp vier Monate später blinzelte er zum ersten Mal in den Lichtstrahl eines Bühnenschweinwerfers – als Christkindl. „Meine Mutter hat schon immer Theater gespielt, und so hatte ich im Dezember noch als Säugling meine erste Rolle weg“.

Franz-Josef Fuchs – Verlorene Zeit

45 Jahre später blickt er „voller Stolz“ – wie er im Gespräch mit Chiemgau Land und Leute bekennt – auf sein bisheriges Lebenswerk zurück. Mit großer Unterstützung durch seine Familie betreibt er seit 1999 in der Crailsheimstraße 12 in Traunstein erfolgreich das „NUTS – Die Kulturfabrik“, das einzige privat geführte Theater im Chiemgau und Umgebung. Stolz sein kann er auch auf die Preise und Auszeichnungen, die er bekommen hat: den ARTS-Kulturförderpreis, Goldenen Lindl, Innovationspreis Salzburg für Geschäftsmodell und Homepage sowie die Auszeichnung des Landkreises für behindertengerechte Unternehmen. Zudem wird das NUTS von Stadt und Bezirk gefördert.

Franz-Josef Fuchs gibt lachend zu, dass er Theater infiziert ist. „Das war meine Oma schon, sie hat meine Mutter angesteckt, und jetzt hab’ ich diesen Virus.“ Eigentlich logisch, denn das Schauspielen war in der Familie immer präsent und gehörte zum Alltag.

Schon im Kindergarten und später in der Schule hatte er sein Publikum, aber seine erste Hauptrolle auf öffentlicher Bühne spielte er 1984 als Faschingsprinz vom Traunsteiner Ortsteil Kammer, in dem er aufgewachsen ist.

In puncto Theater zogen alle Familienmitglieder an einem Strang, aber bei der anstehenden Berufsfindung für den jungen Franz-Josef gingen die Meinungen auseinander: „Mein Ziel als junger Mensch war die Schauspielschule, mein Vater war allerdings anderer Ansicht. Seine Vorstellung war eine solide Ausbildung für mich, als Kaufmann im Groß- und Außenhandel.“ Der Bub musste sich zunächst beugen, setzte sich aber doch noch durch. „Nach der Ausbildung bin ich in Wien auf die Schauspielschule gegangen.“ Ein tolles Gefühl, wie er heute noch schwärmt. „Du kommst aus dem kleinen Traunsteiner Ortsteil Kammer und stehst in Wien auf einmal neben solchen Leuten wie Tobias Moretti.“

Die Gefühlswelt dominierte irgendwann die Vernunft, „mich packte der Höhenflug, ich war der Meinung, dass ich die Schauspielausbildung nicht brauche. Also zog ich von Casting zu Casting, von Schauspielhaus zu Schauspielhaus, um engagiert zu werden.“ Der Höhenflug war schnell beendet, Frust machte sich breit. Fuchs: „Der Schauspielerjob ist – gerade wenn du altersmäßig in den 20er bist – wahnsinnig schwierig, weil sich zu viele junge Leute um zu wenige Rollen bemühen. Außerdem hast du in dem Alter noch kein ausgeprägtes Charaktergesicht: Du bist zwar frisch, könntest jede Rolle spielen, bist aber nicht geeignet dafür.“

Aus der Traum von der Schauspielkunst? Zunächst ja. Also ging’s Anfang der 1990er Jahre zurück zu den Eltern nach Kammer, zurück in den Kaufmannsjob, zurück zu Zahlen und Bilanzen. Zahlenwerke sind meist ernüchternd, vor allem statistische – und dennoch können sie Seelen beruhigen.  „Es gibt Statistiken, die besagen, dass in Deutschland 92 Prozent der Schauspielschulabsolventen mit 30 nicht mehr als Schauspieler arbeiten.“ Damit tröstet sich Fuchs. Auch rückblickend. Frust hin, Trost her – es war nichts verloren, denn der Theatervirus hatte sich in ihm so sehr verbissen, dass er einfach weiter machte. Mit Kindertheater in Trostberg oder Traunreut, mit Gastrollen auf Laienbühnen in der Region.

Aber Franz-Josef Fuchs wollte irgendwann sein eigenes Ding machen. Er hatte keine Lust mehr auf kalte Gasthaussäle, die vom Wirt nicht beheizt wurden weil während der Theaterproben der Getränkeumsatz zu gering war. 1999 machte er sich in Traunstein auf die Suche nach einem leerstehenden Gebäude – in der Crailsheimstraße 12 wurde er fündig. „Meine Eltern waren wenig begeistert als ich ihnen verkündete, ich mach’ jetzt ein Theater auf. Sie wussten aber, das dies für mich eine gute Alternative war.“ Seine Mutter habe zwar sofort vom ersten Tag an mitgemacht, sich aber die Bemerkung nicht verkneifen können: „Du musst schon verrückt sein, wenn du so was machen willst.“ Verrückt? Das war’s – in der englischen Umgangssprache wird dieser Zustand mit „I go nuts“ umschrieben – schon war für Sohn Franz der Theatername geboren. „Ins Deutsche übersetzt  heißt es auch ‚ich gehe ins nuts’ – daraus entstand dann ‚NUTS – Die Kulturfabrik’, dies bedeutet auch, ich werde verrückt in der Kulturfabrik“, so Fuchs.

Ab sofort hatte Franz-Josef Fuchs neben der Schauspielerei einen neuen Job: Theatermacher. Um den professionell umsetzen zu können, drückte er im Alter von 34 Jahren noch mal die Schulbank und studierte in München ‚Kulturmanagement’. Weil er zur der Erkenntnis gekommen war, dass kaufmännisches Wissen, gepaart mit Managementfähigkeiten helfen würde, die Kulturfabrik erfolgreich aufzuziehen. „Mein Vater hatte damals 100-prozentig recht gehabt. Und jetzt wiederholt es sich: Derzeit versuche ich, meinem 16-jährigen Buben klarzumachen, wie wichtig eine fundierte Ausbildung ist. Denn ich verstehe heute meinem Steuerberater, kann meine Bilanzen lesen und Veranstaltungen kalkulieren.“

Der 45-jährige Theatermacher „spielt“ mittlerweile mehrere Rollen im NUTS: Veranstalter, Schauspieler, Regisseur und Autor. Was ihm mehr Spaß macht, kann er nicht sagen, „deshalb mache ich ja alles“ sagt er lachend.

2007 setzte die Familie Fuchs noch eins drauf: Mit dem Studio 16 eröffnete sie in der Bahnhofstraße eine zweite kleinere Bühne, das Studio 16. Unter anderem gastieren hier neben Musikgruppen regelmäßig die Chiemgau Autoren.

Erstaunlich ist, dass im NUTS vor 100 Zuschauern Künstler auftreten, die normalerweise Hallen mit 2000 oder 3000 Gästen füllen. Fuchs: „Das ist schnell erklärt: Diese Künstler sind mit uns gewachsen. Helmut Schleich zum Beispiel hat sein erstes Solokabarett ‚Brauereifrei’ bei uns gemacht, vor knapp 30 Leuten, denn man hat ihn nicht gekannt. Oder Monika Gruber, Michael Altinger, Sissi Perlinger – sie alle spielen bei uns nicht ums Geld. Das geht alles über private Beziehungen, sie alle schätzen, dass meine Mutter und ich von der künstlerischen Seite das NUTS betreiben.“

2014 gab’s für Fuchs ein neues Glücksmomentum: Zum ersten Mal stand er gemeinsam mit seiner Mutter Christa auf den Bühnenbrettern. „Es hat vorher aus administrativen Gründen nie geklappt, denn einer von uns stand auf der Bühne und hat geprobt, derweil der andere den Laden geführt hat.“ Der Südtiroler Autor und Regisseur Dietmar Gamper hatte die finstere Komödie „Verlorene Zeit“ den beiden sozusagen auf den Leib geschrieben. Als Geschenk und Anerkennung zum 15-jährigen Bestehen der Kulturfabrik. Alle drei ernteten vom begeisterten Premierenpublikum rasenden Applaus.

„Theater machen und auch spielen ist mein Leben“, bekennt Franz-Josef Fuchs. Hätte er drei Wünsche frei, würde er gerne noch weitere 20 Jahre Theater machen, viele spannende Rollen spielen und irgendwann mal Ben Becker auf der NUTS-Bühne erleben. Privat wünscht er sich, dass es so weiter geht, wie bisher, „momentan ist alles sehr, sehr toll…“, aber was ihn jetzt im Leben erheblich stört, „ist die AfD – die mag ich nicht“.

Was endgültig vorbei sein dürfte, ist eine Rolle, die Franz-Josef Fuchs vor 45 Jahren zwar schon erfolgreich verkörpert hat, aus der er aber längst ‚rausgewachsen’ ist – das Christkindl spielen…

Franz-Josef Fuchs – Farinelli

Text: Ulli Nathen-Berger