Auf eisigen Wegen unterwegs ins Tal

Bei den Naturbahnrodlern wird tirolerisch gesprochen

In dieser Sportart dominieren die Österreicher und vor allem auch die Südtiroler. Zu den erfolgreichsten heimischen Naturbahnrodlern gehören die Geschwister Michaela und Georg Maurer aus Bad Feilnbach.

Michaela Maurer begann ihre sportliche Karriere vor zwölf Jahren, als sie in Garmisch Partenkirchen ihr erstes Weltcuprennen bestritt und immerhin gleich den zwölften Platz belegte. Neun Mal konnte sie bisher den Titel bei den Deutschen Meisterschaften holen.

Zum Naturbahnrodeln kam die heute 30-Jährige, weil sie die Möglichkeit hatte, direkt vor ihrer Haustüre zu rodeln. „Wenn die Wetterverhältnisse passten, fand früher einmal im Jahr ein Rennen statt. Zu dem sind auch andere Naturbahnrodler gekommen und so entstand der erste Kontakt zu Personen, die diesen Sport professionell betrieben“, erinnert sie sich. Schon bald erfolgte eine erste Einladung zum Training, dem Verein beizutreten und Rennen zu bestreiten. „So hat sich das alles entwickelt und ich bin dann vom Sportrodel auf den Rennrodel umgestiegen.“

Der Rennrodel ist rund 14 Kilo grammschwer und 116 bis 120 Zentimeter lang. Die Lenkung erfolgt durch eine Gewichtsverlagerung in die gewünschte Richtung. Der Rodel verfügt über versetzte Kufen, die gummigelagert sind, um so eine optimale Lenkwirkung zu erzeugen. Der seitliche Aufbau wird individuell angepasst, damit ist ein besserer Halt auf dem Rodel gegeben. Die Neigung der Kufen beträgt maximal 45 Grad und die meisten Athleten verwenden Belagsschienen, welche messerscharf sind, um auf dem blanken Eis den nötigen Halt zu gewährleisten.

Einer der größten Unterschiede zum Kunstbahnrodeln ist, dass es auf Naturbahnen keine überhöhten Kurven oder Steilkurven gibt. Die Rennstrecke folgt quasi einem Straßenverlauf. Das hat zur Folge, dass die Sportler ähnlich wie beim Motorsport vor der Kurve abbremsen müssen, um nicht von der Strecke zu fliegen. „Daraus resultiert auch der größere Bewegungsradius, der beim Lenkeinsatz gegeben ist. Das grundsätzliche Prinzip der Lenkung des Schlittens weist aber durchaus Ähnlichkeiten auf“, erklärt die Sportlerin.

Naturbahnrodler sind in Deutschland absolute Amateursportler und es ist oft sehr schwierig, alles unter einen Hut zu bringen. „Manchmal wünscht man sich, der Hut wäre größer.“ So sei es wichtig, immer die richtige Balance zwischen dem Beruf und dem Sport zu finden. „Ohne die Unterstützung vor allem von der Familie und den Freunden sowie Trainern, Sponsoren und Arbeitgeber, wäre der Sport, so wie wir ihn derzeit betreiben, nicht möglich.“

Im Winter sind Michaela und Georg Maurer jetzt fast jeden Tag auf einer Rennstrecke, um sich auf die Wettkämpfe vorzubereiten. Fünf Weltcuprennen werden sie dabei bestreiten. Die meiste Zeit wird in Österreich oder Südtirol trainiert. Dazu stehen als Optionen die Bahnen in Garmisch Partenkirchen und Unterammergau zur Verfügung. Das Naturbahnrodeln birgt natürlich auch ein gewisses Risiko. „Bei uns spielt Geschwindigkeit natürlich eine große Rolle und die Fehlertoleranz wird mit zunehmender Geschwindigkeit immer kleiner“, gibt die 30-Jährige zu bedenken. „Wichtig ist, die passende Ausrüstung, eine gute Abstimmung zwischen Material und Sportler sowie eine gute Absicherung und Präparation der Strecke.“ Eine große Rolle spiele dabei auch die Fitness, denn je fitter der Sportler ist, umso sicherer und schneller kann er den Schlitten ins Ziel bringen. „Der Schlitten ist aber so einstellbar, dass er mit einem durchschnittlichen Grad an Fitness ins Ziel gebracht werden kann. Ob es dann für eine Bestzeit reicht, muss man sehen.“

Neben der sportlichen Fitness sind auch noch andere Faktoren ausschlaggebend. Die richtige Ausrüstung und die Technik beim Lenken, was gelegentlich unterschätzt wird. Gefahren wird nicht auf einer Schneebahn, sondern auf einer vereisten Strecke. „Wenn das alles passt, kann man viel Spaß beim Rodeln haben“, lacht Michaela Maurer mit einem Anflug von tiroler Dialekt.

Bericht: Siegi Huber

Foto: Wagner,