Vom Mundstück bis zum Trichter ein Unikat

Blechblasintrumentenbauer Peter Baumann aus Hohenaschau

Beim Betreten der kleinen Werkstatt in Hohenaschau liegt ein intensiver Geruch von Metallspäne und Lötfett in der Luft. Alte Drehmaschinen, Hammerwerke, Lötstationen, dutzende Zangen, noch mehr Feilen und jede Menge Blech erinnern an eine Mechanikerwerkstatt. Dass hier filigranste Blechblasinstrumente entstehen, scheint fast unwirklich.

Die Werkstatt in Aschau im Chiemgau gehört Peter Baumann. Seit 25 Jahren ist er Blechblasinstrumentenbauer – “kein Trompetenbauer”, wie er selbst sagt, “da steckt mehr dahinter.”  Konzerttrompete, Perinettrompete, Posaune, Horn, Baritonhorn, Tenor – die Arten- und Variationsvielfalt scheint unendlich. Dabei begann alles mit einem Flügelhorn.

Das spielte Peter Baumann mit 12 Jahren im Instrumentalunterricht. Als eines Tages ein Mitschüler mit einem handgefertigten Flügelhorn auftauchte, war der Bub fasziniert vom Unterschied zum Leihhorn der Schule. “In den folgenden vier Ferien habe ich hart auf einer Landwirtschaft gearbeitet”, sagt der heute 43-Jährige. 1.800 Mark, damals jede Menge Geld, hatte er sich so angespart. Sein Wunsch: Ein Flügelhorn aus der Werkstätte von Axel Müller aus Brannenburg.

“Ich habe einfach mein Instrument bestellt und gewartet.” Muster gab es keines, als Vertrag galt das Wort. Als er sich wieder mal mit dem Radl von Rosenheim nach Brannenburg aufmachte, um sich nach dem Fortschritt des Horns zu erkundigen, fragte ihn der Instrumentenbauer ob er den Interesse an einer Lehre hätte. Noch heute funkeln Peter Baumanns Augen, wenn er sagt: “Klar, hatte ich Interesse. Ich ging ab September 1985 für drei Jahre bei Axel Müller in die Lehre.”

Kaum öffnet sich heute die Türe in Baumanns Werkstatt hören alle seine Kunden den selben Satz: “Können wir morgen reden, das braucht ein wenig, wir müssen uns da unterhalten.” Man merkt, dass ihm der persönliche Kontakt wichtig ist. “Bevor ich anfange ein Instrument zu bauen, muss ich wissen was der Kunde will. Ich höre mir seine Wünsche an, dann baue ich ein Musterinstrument.” Dieses Baukasteninstrument soll der Kunde dann erst einmal spielen und spüren. Erst wenn das passt oder an diesem Änderungen vorgenommen wurden, geht es an die eigentliche Produktion. Im Schnitt kommen so etwa vier Konzerttrompeten zusammen, die der Handwerker so im Monat baut. “Dann dürfen aber nicht viele Reparaturen dazwischen kommen.”

Warum ausgerechnet in Aschau viele Orchester und jede Menge Musiker ihr Instrumente fertigen lassen, liegt wohl auch daran, dass sich Baumann auf die Fertigung eigener Schallstücke spezialisiert hat. “Viele Hersteller lassen sich die liefern.” Seine Trompeten, Hörner, und Posaunen sind Einzelstücke “vom Mundstück bis zum Trichter”. Das Blech für die Instrumente schlummert im Keller der Werkstatt. 0,35 Millimeter stark ist das 90 Jahre alte Messingblech, das erst am Ende durch die Vergoldung ihren Glanz bekommt. Mit der Blechschere schneidet Baumann die Form des Trichters aus dem Bogen, dann wird dieser verlötet und geformt ehe es am Ende zur Politur geht.

Selbst greift er nur noch selten zum Flügelhorn. Früher habe er in fünf Kapellen gespielt, heute fehlt einfach die Zeit. Flügel gehören trotzdem noch zu seinem neuen Hobby. Das Fliegen hat es dem 43-Jährigen angetan. “Da kann ich abschalten, alles irdische bleibt am Boden und ich tanke neue Kräfte in der Luft.” Kräfte, die er auch braucht, schließlich habe er viele namhafte Betriebe gesehen, die das Handtuch schmeissen mussten. Doch da macht sich Peter Baumann keine Gedanken. “Ich kann mir gut vorstellen, dass ich noch mit 80 in der Werkstatt meine letzte Trompete baue.”

Blechblasintrumentenbauer Peter Baumann aus Hohenaschau

Text: Markus Fryzel