Ein Zauber aus Eis

Christian Staber schnitzt Objekte, die in wenigen Stunden oder Tagen wieder verschwinden

Flink wie ein japanischer Kochkünstler bearbeitet der Nußdorfer Eiskünstler mit Kettensäge, Schnitzmesser, Handsäge oder Lötkolben den Eisquader und nach wenigen Minuten sind schon die groben Umrisse einer Eule zu erkennen. Keine Zeichnung oder Modell helfen ihm bei dieser Arbeit. Nach rund 20 Minuten schaut mich eine glänzende Eule mit scheuen Augen an und ich kann es kaum fassen, wie schnell das alles ging.

Christian Staber ist der geborene Entertainer und er liebt es wenn das Publikum dicht neben ihm steht und rätselt, was da aus dem Eis herausgeformt wird, denn verraten wird vorher nichts, die Spannung gehört zum Geschäft. Der Eiskünstler wird nicht selten gebucht, um bei Weihnachtsmärkten die wenig besuchten Ecken zu beleben und nicht selten ist er dann die Attraktion des Abends.

Mit Figuren aus Butter und Margarine fing alles an

Als Koch musste er häufig Skulpturen für Büffets erstellen. Eine Arbeit, die ihm viel Spaß und Lob einbrachte. Seinen Meister fand er dann in einem Gourmetrestaurant in Luzern, dort wurde er von einem Japaner in die Kunst des Gemüseschnitzens eingeführt. Fortan packte den jungen Koch der Ehrgeiz und er wollte dem Kollegen aus Asien künstlerisch nicht nachstehen. Es folgten Versuche mit dem Material Eis und bei diesem Material ist er bis heute geblieben. Unzählige Figuren schmückten seit dem so manches Büffet – vom Pinguin, Schwertfisch, Füllhorn bis zur kompletten Bar aus Eis reicht sein Repertoire.

Seine größte Figur schuf der Inntaler vor drei Jahren aus einem zusammengesetzten Eisblock von fünf Tonnen auf dem Wendelstein. Er schnitzte einen 4,50 Meter großen Hasen, der dann leider nach schon zwei Wochen von einem Föhnsturm dahingeschmolzen wurde. Christian Staber weiß, dass seine Skulpturen nur eine kurze Lebensdauer haben, aber bei dem Weltrekordhasen war er dann doch etwas traurig, den schnellen Schmelzprozess beobachten zu müssen.

Eisbär geformt aus zwei Tonnen Eis (Höhe 2,80m)

Eiskünstler haben nicht nur das Problem der Vergänglichkeit ihrer Objekte. Sie sind auch abhängig von Kälte, sei es beim gefrieren der Eisblöcke oder beim Arbeiten in Gebäuden oder im Freien – es muss immer kalt sein und die Sonne ist da nicht immer ein Freund. Eine gesunde Portion Idealismus sollte man bei dieser Kunstform also mitbringen, denn das fertigen der Eisblöcke bedarf auch viel Zeit. Ein trüber Eisblock von 150 Kilogramm braucht vier Tage und wenn das Eis kristallklar sein soll, muss es während des Einfrierens konstant in Bewegung bleiben, das braucht sieben Tage Zeit und jede Menge Strom. Die bis zu 250 Kilogramm schweren Eisblöcke werden dann mit Stapler und Lieferwagen zum Kunden gebracht, um dann wie eingangs beschrieben in einer spektakulären Aktion die Attraktion des Abends zu werden. Und wenn man bedenkt, das ein spektakuläres Feuerwerk nur wenige Minuten dauert, so ist eine Eisskulptur doch etwas von langem Wert.

Weltrekord-Hase mit 4,55m Höhe